Freitag, 31. Juli 2026
Es ist die vielleicht schnellste Kabarettkomödie der Geschichte; zumindest der 65-jährigen Geschichte der Dresdner: „9m² - 800 kalt“ – das große WG-Casting, die seit Mittwoch bis Ende August im Gewächshaus im Gartenbau Rülcker in Dresden-Strehlen zu erleben ist. Der MDR-Sachsenspiegel hat einen spannenden Einblick dazu gedreht. Wie schon im Vorjahr haben wir unseren Keller im Kulturpalast für fünf Wochen verlassen und spielen nun unser Sommer-Kabarett tatsächlich zwischen Blumen und Palmen im klimatisierten Gewächshaus.
Und es wird tatsächlich rasant, denn in den gut zweieinhalb Stunden müssen sich die drei Protagonisten in gut 30 Rollen „verwandeln“. Wobei die – sozusagen – Hauptrollen für die drei Akteure Beate Laaß, Johanna Mucha und Jens Eulenberger die der drei Bewohner einer WG sind, die ein Zimmer vergeben wollen. Nun suchen sie für die 9m² zum Preis von 800 Euro kalt einen neuen Mitbewohner, eine neue Mitbewohnerin oder eben neue Mitbewohnende. Je nachdem … Also organisieren sie quasi ein großes WG-Casting. Und es haben sich tatsächlich eine Menge durchaus skurriler Zeitgenossen in die Warteschlange gestellt; und auch die werden nun von den dreien gespielt. Ein wirklich herrliches und auch sehr aktuell politisches Figurenpanoptikum ist es, das Autor und Künstlerischer Leiter der „Keule“ Philipp Schaller da entworfen hat. Von der elternhassenden Erzieherin, über eine sehr taffe Seniorin, bis zum CO²-neutralen Panzerfahrer. Und eines ist in der Premiere am Mittwochabend zur hörbaren Freude der Besucher im restlos ausverkauften Gewächshaus gleichmal deutlich geworden: Vor der Spielwut dieses ausgesuchten Ensembles ist keiner sicher! Jens Eulenberger als Bundeskanzler Merz oder auch um Nachwuchs werbender Bundeswehroffizier wird von den Zuschauern fast schon frenetisch gefeiert, wie auch Beate Laaß als Lehrerin, die so sympathisch unsympathisch ist, dass man ihre Abneigung anderen Menschen gegenüber fast schon gut finden kann. Und Johanna Mucha legt ihr enormes Gesangstalent wieder hör- und fühlbar in die kabarettistische Waagschale – und zeigt nicht zuletzt in der sehr musikalischen Rolle einer überdrehten Influencerin, womit wir uns auf unseren Smartphons selbst die (Lebens)Zeit rauben. Es sind die Themen der Zeit, die hier überspitzt, aber dennoch unfassbar nah und klar gezeichnet auf die Bühne kommen.
Und überhaupt die Musik: Die „Keule“-Band mit Jens Wagner und Volker Fiebig rockt und swingt, was das Zeug hält. Wobei Philipp Schaller und Regisseurin Ellen Schaller eine wirklich perfekte Musikauswahl gelungen ist: von den Toten Hosen, über Felix Meyer, bis hin zur Dresdnerin Anna Mateur.
Kabarettistisch ausgeteilt wird dabei in alle politischen Richtungen, „dieses Nein zu Denkverboten ist ja schon immer ein Markenzeichen der Herkuleskeule gewesen und ist es bis heute geblieben“, stellt Philipp Schaller klar. Und so werden die mitunter unerklärlichen und vor allem unerträglichen Selbstdarsteller-Allüren bei Instagram ebenso aufs Korn genommen, wie der wieder durchs Land schallende Befehlston, endlich wieder kriegstüchtig werden zu müssen. Altersarmut und soziale Kürzungen beschreibt Autor Philipp Schaller in seiner bekannt bitterbösen Art, sodass mitunter das Lachen tatsächlich gefriert. Es ist kein leichtes Sommertheater, das die Herkuleskeule da bietet, es ist politisches Kabarett. Aber das Lachen kommt nicht zu kurz, schließlich ist es eine Kabarettkomödie, die das Kabarett-Geschwisterpaar Ellen und Philipp Schaller da auf die Bühne gebracht haben.
Tickets ganz einfach hier.
Mehr Informationen finden Sie hier: