Donnerstag, 31. Juli 2025
Das Geheimnis ist gelüftet. Das Geheimnis, warum sich die Herkuleskeule ausgerechnet Weihnachtsbäume, eine Schneemaschine und jede Menge Plaste-Weihnachtskitsch für ihr neues Sommerprogramm „Nur die Harten komm‘ in Garten!“ besorgt hat. Das spielen die Kabarettisten nun nämlich bis Ende August tatsächlich direkt im Gewächshaus im Gartencenter Rülcker in Dresden-Reick; eine Premiere in nun fast schon 65 Jahren „Keule“. Ein Sommerprogramm mit Weihnachtszauber? Nicht ganz. Zunächst streiten sich da zwei Kabarettisten vorm „Testpublikum“, wie sie sagen, darüber, ob sie die sommerliche Probenzeit im Garten nun für ein neues politisches Kabarettstück oder doch lieber für ein nicht ganz so politisches Weihnachtsprogramm nutzen sollten. Das beschauliche und kantenlose Thema Weihnachten spüle schließlich in jedem Fall mehr Geld in die Kasse als Politik. Und doch erwarten die Leute von der Keule politisches Kabarett, lautet die andere Sicht, mit der sich Birgit Schaller und Philipp Schaller auseinandersetzen. Und als dann mit der neuen Keule-Kabarettistin Johanna Mucha die junge Generation dazukommt, die den einen „alten weißen Mann“ nennt und der anderen erklärt, dass Work-Life-Balance deutlich wichtiger ist als diese altmodische 40 Stunden-Arbeitswoche, ist klar, dass es hier im Gewächshaus alles andere als lockere „Geschichten übern Gartenzaun“ gibt. Geworden ist es ein politischer Kabarettabend, der zudem zeigt, dass Weihnachten so gar nicht unpolitisch ist – wenn beispielsweise der Bundespräsident alljährlich in seiner Weihnachtsansprache von den sich endlich mal beruhigen sollenden Wutbürgern Respekt einfordert, die Politik aber im Gegenzug selbst den Sinn des Wortes nicht wirklich zu verstehen scheint. Der Spaß kommt zwischen Grünpflanzen, Gartengrill und jeder Menge Palmen aber nicht zu kurz. Auch, wenn das Lachen dem Publikum hier und da wortwörtlich im Hals stecken bleibt, so bitterböse sind die Pointen und die grandiosen Ideen von Regisseurin Ellen Schaller mitunter. Und auch die Musik gibt dem Programm - wie von der Herkuleskeule gewohnt - Pfeffer oder diesmal passender Düngekügelchen. Die Musiker Jens Wagner und Volker Fiebig, rocken, bluesen und schmachten was das Zeug hält. Von Aretha Franklin über Queens „Mama“ bis hin zum dunkelschwarzen „Ich habe einen Weihnachtsmann erschossen“ – die Songs sind ein fester Pflanzpfahl, um sprachlich im Garten zu bleiben.
Autor Philipp Schaller hat in einer so politischen Zeit wie der aktuellen jedenfalls keine Lust auf gemütliche Gartenidylle mit Porzellanzwergen und Pool-Traum. „Wir haben schon im vergangenen Jahr gemerkt, dass die Leute ganz bewusst zu uns gekommen sind, um auch im Sommer an ungewöhnlichen Orten politisches Kabarett zu erleben, dass das Wort politisch nicht aus dem Titel streicht“, ist er überzeugt. Und der Schlussapplaus zeigt auch im Gewächshaus, dass er recht hat damit.
Seit September ist unser Erfolgsstück nun im Kabarettkeller im Kulturpalast zu erleben. Tickets: hier